Kurz zusammengefasst
- Kleines Volumen (bis ± 2 m³ / 2000 L): standardmäßig 9 Messpunkte — die acht Ecken plus die geometrische Mitte.
- Größeres Volumen (bis ± 20 m³): standardmäßig 15 Messpunkte, mit Zwischenpositionen und zusätzlichen Höhen.
- Lager und große Räume: ein Raster aus Loggern, alle 5 bis 10 Meter in Länge und Breite, auf mehreren Höhen (WHO).
- Immer zusätzliche Punkte an Türen, Kühl- und Heizaggregaten, Luftein- und -auslässen und bekannten Risikozonen (ISPE).
- Die Anzahl ist keine Formel, sondern eine begründete Wahl auf Basis einer Risikobewertung (ISPE: "there is no formula for the number of sensors").
Warum die Anzahl der Messpunkte wichtig ist
Ein Temperaturmapping zeigt, wie sich die Temperatur in einem Raum oder Gerät verteilt. Die richtige Anzahl von Punkten liegt zwischen zwei Extremen.
- Zu wenige Punkte: Sie übersehen womöglich die wärmste oder kälteste Stelle (Hot-Spot oder Cold-Spot). Die Studie ist dann nicht repräsentativ und nicht auditfest.
- Zu viele Punkte: unnötige Kosten und Logistik, ohne zusätzliche Sicherheit. Zwei Logger, die denselben Effekt messen, bringen nichts (ISPE nennt das redundant).
Das Ziel ist also keine maximale Anzahl von Loggern, sondern eine repräsentative Abdeckung: der Nachweis, dass jeder genutzte Lagerort innerhalb der Grenzen bleibt. GDP verlangt deshalb Monitoring an den Stellen mit den größten Schwankungen.
Die Faustregel: 9 oder 15 Messpunkte
Die bekannte Faustregel stammt aus der Geometrie eines Raums. Ein würfelförmiger Raum hat acht Ecken; mit einem Punkt in der geometrischen Mitte kommen Sie auf 9 Messpunkte. Die Ecken erfassen die Extreme, die Mitte den Mittelwert.
Bei größeren Volumina fügen Sie Zwischenpositionen und zusätzliche Höhen hinzu und kommen oft auf 15 Messpunkte. Die Grenze zwischen „klein" und „groß" wird in der Praxis meist bei etwa 2 m³ (2000 Liter) gezogen.
Eine ehrliche Nuance: Der ISPE-Leitfaden zeigt Mindestdiagramme für etwa 2 m³ und etwa 20 m³. Die Grenze „2000 Liter" ist eine gängige Praxiskonvention, kein hartes Normmaß. 9 oder 15 ist ein guter Ausgangspunkt, aber nie die endgültige Antwort ohne Begründung.
Was sagen die Richtlinien?
Hier hebt sich ein fundiertes Mapping ab. Drei Quellen ergänzen sich.
GDP — EU Good Distribution Practice
GDP verlangt vor Inbetriebnahme ein initiales Temperaturmapping unter repräsentativen Bedingungen. Feste Monitoringgeräte werden danach an den Stellen mit den größten Schwankungen platziert. Eine Wiederholung erfolgt risikobasiert oder nach wesentlichen Änderungen am Raum oder an der Kühl- und Heizanlage. Für kleine Räume bei Raumtemperatur kann eine Risikobewertung (zum Beispiel von Wärmequellen) genügen (GDP 2013/C 343/01, §3.2.1; für Wirkstoffe 2015/C 95/01).
WHO — TRS 961 Annex 9 Supplement 8
Die WHO beschreibt den praktischen Rasteransatz für Lagerbereiche:
- Logger in einem Raster, alle 5 bis 10 Meter in Länge und Breite (bis 20–30 Meter in sehr großen Einrichtungen).
- Höhenverteilung pro Rasterpunkt: bei einer Deckenhöhe bis 3,6 Meter etwa drei Ebenen (zum Beispiel Boden, 1,2 m und 3,0 m); über 3,6 Meter mehrere Ebenen über die gesamte Arbeitshöhe.
- Hochregallager sind anfällig für Schichtung (Stratifikation): über die gesamte Höhe messen.
- Logger mit rückführbarer Kalibrierung, einem Fehler von höchstens ±0,5 °C und einem Messintervall von etwa 1 bis 15 Minuten.
ISPE — Controlled Temperature Chambers
ISPE entwickelt die Messstrategie als risikobasierten Ansatz weiter (Good Practice Guide, Table 6.1 und §6.4.2):
- Messpunkte neben dem Regelsensor des Raums, in den Ecken und der geometrischen Mitte, an Türen, Luftein- und -auslässen, Ventilatoren und Luftverteilern, an Regalen und Hindernissen sowie auf maximaler Lagerhöhe.
- Es muss eine wissenschaftlich begründete Rationale für Anzahl und Position der Sensoren geben.
- Es gibt keine feste Formel. Von einer pauschalen Regel wie „ein Sensor pro 4 Meter" ohne Begründung wird ausdrücklich abgeraten.
- Räume mit mehreren HVAC-Einheiten dürfen in Zonen unterteilt und pro Zone bewertet werden.
Zur zentralen Richtlinienseite für den vollständigen Kontext je Quelle.
Die eigentliche Antwort: ein risikobasierter Ansatz
Die richtige Anzahl von Messpunkten ergibt sich aus der Anzahl der thermischen Einflüsse in Ihrem Raum. Der Gedanke ist einfach: ein Messpunkt je unterscheidbarem Einfluss. Mehrere Sensoren für denselben Effekt bringen nichts. Die folgenden Faktoren erhöhen die Anzahl.
| Faktor | Auswirkung auf die Anzahl der Messpunkte |
|---|---|
| Volumen und Form (Nischen, L-Form) | mehr Punkte oder Messung je Zone |
| Deckenhöhe und Schichtung | zusätzliche Höhenebenen je Rasterpunkt |
| Türen, Lade- und Entladebereiche | zusätzlicher Punkt je Tür (Worst Case) |
| Luftein- und -auslässe, Ventilatoren | ein Punkt an jedem relevanten Auslass |
| Wärmequellen (Beleuchtung, Geräte) | zusätzlicher Punkt nahe der Quelle |
| Produktzonen (wo tatsächlich gelagert wird) | dort Punkte konzentrieren |
| Außenwände und Klimaeinfluss | Referenzpunkt plus zusätzliche Abdeckung |
| Regale und Hindernisse (Toträume) | zusätzlicher Punkt |
| Position des Regelsensors | ein Messpunkt daneben |
In jedem Fall: Halten Sie die Wahl mit einer dokumentierten, von der QA freigegebenen Rationale fest. Das macht die Studie auditfest.
Höhe und Raster: Messpunkte in 3D verteilen
Ein Mapping ist dreidimensional. Sie legen zuerst ein Raster in Länge und Breite an (WHO: alle 5 bis 10 Meter) und verteilen dann je Rasterpunkt vertikal. Warum die Höhe entscheidend ist: warme Luft steigt auf, wodurch Schichtung entsteht — besonders in Hochregallagern. Halten Sie die WHO-Höhenregeln ein: bis 3,6 Meter meist drei Ebenen, darüber mehr.
Häufige Fehler
- Nur die Ecken messen und die geometrische Mitte vergessen.
- Höhe und Schichtung in hohen Lagern ignorieren.
- Keinen Messpunkt neben dem Regelsensor platzieren.
- Eine pauschale Regel („1 pro 4 Meter") ohne Begründung übernehmen (ISPE rät davon ab).
- Die Tür oder eine andere Worst-Case-Position auslassen.
- Keine schriftliche Rationale festhalten, wodurch die Studie nicht auditfest ist.
Von Mapping-Punkten zu festen Monitoringsensoren
Mapping und Monitoring sind nicht dasselbe. Mapping ist temporär und nutzt viele Messpunkte, um Hot- und Cold-Spots zu finden. Monitoring ist dauerhaft und nutzt weniger Sensoren, platziert an den beim Mapping gefundenen Worst-Case-Stellen. In der Praxis wird ein Mapping oft alle 3 bis 5 Jahre wiederholt, bei kritischer Produktlagerung mitunter jährlich, oder früher nach Änderungen und Abweichungen — stets mit dokumentierter Begründung. Lesen Sie den Unterschied zwischen Monitoring und Mapping oder wie oft Sie requalifizieren sollten.
Verwendete Quellen
- EU GDP 2013/C 343/01, Kapitel 3.2 (insbesondere 3.2.1) zu vorab durchgeführtem Temperaturmapping und Platzierung von Monitoringgeräten; für Wirkstoffe 2015/C 95/01.
- WHO TRS 961 Annex 9 Supplement 8, Temperature mapping of storage areas (Raster und Höhenverteilung).
- ISPE Good Practice Guide: Controlled Temperature Chambers, 2nd edition (Table 6.1, §6.4.2; keine feste Formel, begründete Rationale).
- IGJ, Fragen zum EU-Leitfaden Gute Vertriebspraxis (GDP), Version 9.
Bereiten Sie ein Audit vor? Lesen Sie auch was Auditoren beim Temperaturmapping sehen wollen.